Praxis - Ungräser im Ackerbau - Ungräser als Ausgangsquelle
 
 
Ungräser als Ausgangsquelle für
Krankheiten und Schädlinge

Ackerfuchsschwanz und Septoria BlattfleckenBekanntermaßen stehen Ungräser im Ackerbau in direkter Konkurrenz zu den Kulturpflanzen, beanspruchen Standraum, Licht und Nährstoffe, schwächen somit die Kulturen und führen infolgedessen zu Mindererträgen. Die Ungräser spielen aber noch eine weitere wichtige Rolle, die häufig wenig beachtet wird.

Quecke und Braunrost

Ungräser gehören, wie die Kulturgräser, zur Pflanzenfamilie der Poaceae, syn. Gramineae. Folgerichtig können fast alle im Getreideanbau eine Rolle spielenden Ungrasarten auch von Krankheitserregern oder Schädlingen befallen werden, die im Getreideanbau von Bedeutung sind und dort zu erheblichen Ertragsausfällen und zur Qualitätsminderung des Erntegutes führen können.

Weidelgras und VErzwergungsvirusVirosen, die sowohl bei der Kulturpflanze als auch bei Ungräsern vorkommen, können vor allem durch Blattläuse übertragen werden. Bei Pilzkrankheiten stellen die Ungräser, neben dem Ausfallgetreide, oftmals die Brücke zur Überwinterung der Krankheitserreger zwischen Herbst und Frühjahr dar. Einige Krankheitserreger, wie z. B. der Gelbrost, sind zur Überdauerung auf grünes, lebendes Pflanzenmaterial angewiesen. Ungräser (in diesem Fall vor allem Quecke und Trespe- Arten) dienen hier als Nebenwirt, von dem im Frühjahr dann wieder die Infektion der Getreidebestände ausgeht.

Windhalm und HalmbruchSelbst dann, wenn eine Infektion stehender Kulturbestände nicht unmittelbar erfolgt (z.B. in Hackfrüchten), kann durch Bildung von Infektionsmaterial der Befall der Folgekultur gefördert werden. Starkes Ungrasaufkommen in der Vorfrucht kann also auch zu negativen Auswirkungen in der nachfolgend angebauten Kultur führen. Am Beispiel des Mutterkorns (Claviceps purpurea) sei dies im Nachfolgenden einmal verdeutlicht. Der Entwicklungszyklus von Claviceps purpurea ist in nachstehend aufgeführter Abbildung dargestellt.

Flughafer und GetreideblattläuseIhren Ausgangspunkt nimmt die Infektion von im Boden überwinternden Dauerformen (Sklerotien), die im Frühjahr auskeimen. Die in den Fruchtkörpern (Perithezien) gebildeten Askosporen werden durch Wind verbreitet, wo sie zunächst blühende Gräser (vor allem Ackerfuchsschwanz) oder Getreideblüten befallen. Ausgehend von dieser Infektion werden neue Infektionen an nachfolgend blühenden Getreidebeständen gesetzt. In diesem Fall dienen die Ungräser also als Nebenwirt in der Infektion des Getreides.


Entwicklungszyklus von Claviceps purpurea
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Daneben können die Gräser aber auch selbst überwinternde Mutterkorndauerformen (Sklerotien) ausbilden. In diesem Fall tragen die Ungräser zur Erhöhung des Infektionspotenzials für die Folgekultur bei. Vor diesem Hintergrund kommt der Ungrasbekämpfung im Ackerbau also eine weitere wichtige Rolle zu: die Verminderung des Infektionspotenzials für Krankheiten und Schädlinge.


Eine Übersicht über wichtige Krankheiten und Schädlinge und die als Nebenwirt eine Rolle spielenden Ungräser finden Sie [hier]

Auf einen Blick:

Ungräser als Ausgangsquelle für Krankheiten und Schädlinge


Ungräser und Kulturgräser gehören zur gleichen Pflanzenfamilie
(Poaceae, syn. Gramineae).
Viele Krankeits-erreger sind auch auf Ungräsern anzutreffen; dazu gehören Pilze, Viren und tierische Schädlinge. Ungräser können als Nebenwirt dienen.
Nutzen der Ungrasbekämpfung:
  · Nebenwirte werden ausgeschaltet
  · Infektionspotenzial für stehende Kulturen wird reduziert
  · Infektionspotenzial für die Folgekultur wird reduziert

Fazit

Die optimale Ungrasbekämpfung stellt die Grundlage eines gesunden Wachstums der Kulturpflanzen dar und legt den Grundstein für ein hohes Ertragspotenzial. Daneben ist eine Bekämpfung auftretender Ungräser auch aus pflanzenhygienischer Sicht sehr wichtig. Vielen Pilzkrankheiten wird dadurch der Befall der landwirtschaftlichen Kulturpflanzen zumindest erschwert. Zum einen weil der Nebenwirt zur Überwinterung fehlt, zum anderen weil sich weniger Infektionspotenzial aufbauen kann.